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by on 07-08-2015 in Reviews

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Man mag von Polen halten, was man wolle, aber eins ist bei unseren Nachbarn sicher: Nicht etwa die Rente, sondern die progressive Rockmusik! Kaum ein Land widmet sich in solcher Intensität dieser Musik des ganz speziellen Geschmacks, der mit NIEMEN und SBB begann und bisher bei RIVERSIDE oder SATELLITE endete. Nun also dürfen wir den „Sonnenstrahl“ von MAZE OF SOUND genießen, der recht deutlich neben den polnischen Landsleuten von COLLAGE, SATELLITE oder MILLENIUM leuchtet. Der Neo-Prog hat es dem Sextett unüberhörbar angetan und schlägt man das Booklet auf, kommen wohl zurecht auch Erinnerungen an ARENA auf.

Macht man sich die Mühe, die Texte des mit einem Grillenzirpen beginnenden Albums genauer zu betrachten, fällt auf, dass die Jungs sich nicht etwa in schwermütiger Mystik suhlen, sondern eine besonders intensive Bindung zur Natur haben, die sie in Gefahr sehen, wofür schon „Rain Charmer“, „Animal“ oder „Forest“ und natürlich „Last Sunray“ sprechen. Die Bedrohung sind natürlich wir Menschen und der „Mad Hatter“ (der „verrückte Hutmacher“ aus Alice im Wunderland): „Talk to me, lie to me / Do you want to know / Why Mad Hatter stole your soul?“ So erzählt jeder Text eine Kurz-Geschichte, die durch den gefühlvollen, fast zärtlichen, aber doch deutlich erkennbar akzentuierten Gesang von KUBA OLEJNIK und immer wieder von einer Gitarre begleitet wird, wie sie STEVE ROTHERY bei MARILLION oder THE WISHING TREE nicht besser spielen könnte. Gerade die zwei Gitarristen sorgen auch durch ihr vielfältiges Spiel dafür, dass „Sunray“ zu keinem Zeitpunkt in dieser schwebenden Keyboard-Neo-Prog-Suppe versinkt und „Last Sunray“ sogar richtig retro-progressiv rockt. Auch dass immer wieder schöne akustische Piano-Motive oder eine Violine und sogar Bouzouki und Zither auftauchen, verleihen dem Debüt-Album dieser jungen Band zusätzliche Reize.

Print„Trick Of The Witch“, der einzige Instrumentaltitel des Albums, der von einem sehr schönen Piano-Motiv lebt, auf dem sich besonders die Gitarren ausgiebig austoben dürfen und Paukenschläge eine bedrohliche Spannung aufbauen, bis am Ende gar VANGELIS‘ „Conquest Of Paradise“-Stimmung dieses tolle Instrumental abschließt, ist der klingende Beweis für das instrumentale Können von MAZE OF SOUND!

Leider fallen an manchen Stellen die größtenteils im Mid-Tempo gehaltenen Kompositionen auf „Sunray“ noch zu gefällig aus, klingen wie bei „Reflection“ sogar nach QUEEN trifft auf GILMOUR-Gitarre, und die Suche nach der eingängigen, manchmal gar poppigen Melodie steht stärker im Vordergrund und verdrängt ein wenig den Mut zum gewagten progressiven Experiment. Eine Unterstellung, mit der sich auch Bands wie PENDRAGON oder CAMEL schon länger herumschlagen mussten, die natürlich auch in diesem polnischen KLANG-LABYRINTH wiederzufinden sind und mit denen dieses hoffnungsvolle Prog-Sextett sicherlich gut leben kann.

FAZIT: Dank Progressive Promotion Records dürfen wir eine weitere spannende, größtenteils neo-progressiv orientierte Band aus Polen kennenlernen, die selbstsicher und gekonnt in die schon sehr großen Musik-Fußstapfen ihrer Landsleute von COLLAGE, BELIEVE oder SATELLITE tritt.

Thoralf Koß / musikreviews.de

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